Welche Anträge brauche ich überhaupt?
In der häuslichen Pflege sind Sie es oft selbst — oder Ihre Angehörigen —, die Anträge stellen. Das wichtigste vorweg: fast jeder Antrag startet mit einem formlosen Anruf bei der Pflegekasse. Die Pflegekasse ist eine Abteilung Ihrer Krankenkasse — also AOK Rheinland/Hamburg, Barmer, TK, KKH oder Ihre Betriebs- bzw. Innungskasse.
Die wichtigsten Antragsarten:
- Antrag auf Pflegegrad (Erstantrag) — §18 SGB XI
- Antrag auf Höherstufung bei Verschlechterung
- Antrag auf Verhinderungspflege — §39 SGB XI
- Antrag auf Kurzzeitpflege — §42 SGB XI
- Antrag auf Wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen bis 4.000 € — §40 Abs. 4 SGB XI
- Antrag auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch — §40 Abs. 2 SGB XI (z. B. Inkontinenzmaterial)
- Häusliche Krankenpflege (Behandlungspflege) — §37 SGB V, vom Arzt verordnet
Schritt 1: Antrag auf Pflegegrad stellen
Sie rufen die Pflegekasse an und sagen wörtlich: „Ich möchte einen Antrag auf Pflegeleistungen stellen." Die Kasse schickt Ihnen daraufhin schriftliche Unterlagen — diese füllen Sie aus und senden sie zurück. Das Datum des Anrufs gilt rückwirkend als Antragsdatum, sodass Sie schon ab diesem Tag Leistungsansprüche haben.
Wichtig: Lassen Sie sich beim Telefonat nicht abwimmeln. Auch wenn die Mitarbeiterin meint, „dafür reicht es vielleicht nicht" — entscheiden tut der Medizinische Dienst.
Schritt 2: Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD)
Etwa zwei bis vier Wochen nach Antragstellung meldet sich der MD und vereinbart einen Besichtigungstermin bei Ihnen zu Hause. Eine MD-Gutachterin oder ein Gutachter prüft die Situation anhand der sechs NBA-Module und vergibt Punkte für die Selbstständigkeit.
Wichtig für den Termin:
- Pflegende Angehörige sollten dabei sein und mitsprechen
- Ein Pflegetagebuch (1–2 Wochen vor dem Termin geführt) ist Gold wert
- Beschönigen Sie nichts! Schildern Sie schlechte Tage — der MD sieht ja nur eine Stunde
- Halten Sie Arztberichte, Medikamentenliste und Pflegehilfsmittel bereit
- Notieren Sie nach dem Termin, was gesagt wurde
Schritt 3: Bescheid prüfen
Innerhalb von 25 Arbeitstagen erhalten Sie den Bescheid. Wichtig: Lassen Sie sich den Gutachterbericht aushändigen (auf Wunsch — gesetzlicher Anspruch). Erst aus dem Gutachten erkennen Sie, wie der MD entschieden hat.
Wenn die Punktzahl knapp unter einer Pflegegrad-Schwelle liegt oder wichtige Beeinträchtigungen nicht erfasst wurden, lohnt sich der Widerspruch.
Schritt 4: Widerspruch — innerhalb eines Monats
Sie haben einen Monat ab Bescheid-Zugang Zeit, schriftlich Widerspruch einzulegen. Der Widerspruch muss zunächst nicht begründet werden — die Begründung können Sie nachreichen. So sichern Sie sich Zeit.
Erfolgsaussichten sind oft besser als gedacht: Bei einem Drittel aller Widersprüche wird dem Antragsteller im Nachgang ganz oder teilweise stattgegeben. Wir helfen Ihnen gern, die Argumente schriftlich zu formulieren.
Behandlungspflege: ärztliche Verordnung
Behandlungspflege (z. B. Insulinspritzen, Wundversorgung, Medikamentengabe) ist eine Leistung der Krankenkasse, nicht der Pflegekasse. Sie wird vom Arzt auf dem rosa Rezept Muster 12 verordnet — und ist auch ohne Pflegegrad möglich. Der Pflegedienst rechnet direkt mit der Krankenkasse ab.
Hilfsmittel & Wohnumfeld-Verbesserung
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (Einmalhandschuhe, Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel etc.) gibt es bis 40 Euro monatlich — über die Pflegekasse, ohne ärztliche Verordnung. Einfach Antrag stellen, dann werden die Hilfsmittel per Paket direkt nach Hause geliefert.
Wohnumfeld-verbessernde Maßnahmen wie Treppenlift, Badumbau oder Türverbreiterung werden mit bis zu 4.000 Euro je Maßnahme gefördert. Wichtig: Antrag stellen bevor Sie den Auftrag vergeben — sonst geht der Anspruch verloren.
Wann lohnt sich professionelle Hilfe?
Sie müssen den Bürokratie-Marathon nicht alleine bewältigen. Pflegestützpunkte und ambulante Pflegedienste wie Pieper bieten kostenlose Beratung und unterstützen beim Ausfüllen der Anträge. In Wuppertal-Cronenberg sind wir gern auch bei Ihnen zu Hause — mit der Erfahrung aus über 30 Jahren Pflegealltag.